Liebe N,
sicher wunderst Du Dich, dass ich Dir so schnell wieder schreibe, aber ich muss Dir unbedingt erzählen, was ich heute Abend beobachtet habe. Ehrlich gesagt bin ich immer noch ganz schön aufgeregt.
Also pass auf. Ich hatte Anna beim Servieren des Abendessens geholfen und hinterher noch eine Weile in der Küche zu tun. Als ich die Küche verließ und nach oben auf mein Zimmer gehen wollte, kam ich wie gewöhnlich auch am Wohnzimmer vorbei. Ein leises, klirrendes Geräusch und die Stimme der gnädigen Frau ließ mich innehalten. Glaub mir, liebe N, ich wollte nicht spionieren, aber die Tür war nur angelehnt und ich musste einfach ins Wohnzimmer sehen.
Die Kerzen des Krohnleuchters brannten. Ich sah die gnädige Frau in ihrem Sessel liegen. Aber sie war nicht allein. Auf ihrem Schoß, mit dem Rücken zu ihr, saß Anna, das andere Dienstmädchen. Erst wunderte ich mich, warum sich Anna so eigenartig hin und her wand und ihre Arme dabei in die Luft streckte. Doch dann erkannte ich, dass ihre Handgelenke mit einem Seil über ihrem Kopf an einen Ring in der Decke gebunden waren. Frau von Lahn saß hinter ihr und hatte ihre Hände von beiden Seiten um Annas schlanke Taille geschlossen. Mit schnellen, ruckartigen Griffen massierten ihre Finger auf und ab über die ungeschützten Körperseiten.
Ich stand wie versteinert. Kein Zweifel, die gnädige Frau kitzelte ihr wehrloses Dienstmädchen. Und wie! Annas Gesicht war überströmt mit Lachtränen. Ihr Mund stand weit offen, ihr ganzer, zierlicher Körper bebte, aber es war kein Lachen zu hören. Nur das leise Klirren des Eisenrings an der Decke, das Rascheln ihres Seidenkleides und die sehr sanfte, neckende Stimme der gnädigen Frau… “Aber ja, ich weiß doch genau, wie kitzlig du hier bist. Genau hier, an den Hüften. spürst du? Und, warte mal, am besten mit den Daumen. So. Na, ist das gut? Ja? Vielleicht etwas fester? Und schneller? Ist das der richtige Punkt? Na siehst du, ich kenne doch meine kleine Anna.”
Mein Herz klopfte mir bis in den Hals. Liebe N, erinnerst Du Dich noch an den Sommer vor ein paar Jahren und unsere Spiele im alten Bootshaus? Wie wir uns gegenseitig an den Füßen gekitzelt haben? Wir haben versucht, wer es wohl länger aushält und Du warst mir so haushoch überlegen gewesen. Und weißt Du noch, wie Du mich dann zur Strafe an die Balken gefesselt und eine ganze Stunde lang abgekitzelt hast? Mit diesen komischen Entenfedern? Ich habe so sehr gelacht und gefleht, aber Du hast einfach nicht aufgehört.
Das kam mir plötzlich wieder in den Kopf, als ich die beiden durch den Türspalt beobachtete. Die Arme Anna musste wirklich ganz furchtbar kitzlig sein. Sie krümmte sich atemlos vor lachen auf dem Schoss der gnädigen Frau und sog immer wieder keuchend Luft in ihre Lungen. Frau von Lahn ließ keine Sekunde von ihr ab. Sie knetete Annas Hüften und Seiten mit einem ganz seltsamen, irgendwie unheimlichen Gesichtsausdruck. Sehr leise und vorsichtig schlich ich auf Zehenspitzen hinauf in mein Zimmer.
Hoffentlich haben sie mich nicht gehört. Ich muss zugeben, ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich schon. Dabei kann ich doch wirklich nichts dafür, oder, liebe N? Die Tür stand ja offen.
Ich weiß nicht… wenn dieser komische Gesichtsausdruck nicht gewesen wäre, würde ich meinen, die gnädige Frau hätte eben einfach ein bisschen Spaß mit Anna gemacht. Aber so…
Und dann Anna! Sie ist immer so still und unauffällig. Nie hätte ich gedacht, dass sie sooo kitzlig wäre.
Ach was, eigentlich albern, dass ich mir darüber solche Gedanken mache.
21. September 2010 um 15:27 |
Sehr schön.
Aber wann kommt denn wieder eine Fortsetzung von KITZELFANT?
Ich würd mich sehr darüber freuen!
22. September 2010 um 21:20 |
“Aber wann kommt denn wieder eine Fortsetzung von KITZELFANT?”
GANZ BALD. Bin irgendwo in der Hälfte “steckengeblieben” und dann mußte erstmal das hier raus. Ist aber absolut nicht aus’m Kopf… versprochen!
8. Oktober 2010 um 18:42 |
Toll, danke!
20. November 2011 um 14:40 |
schreib mal bitte weiter
ich sitze hier auf heißen Kohlen